Eierei mit Hercules

Es könnte so ein schöner Sommertag sein. Mary und Sascha haben sich zusammengefunden, um im Podcast über eine weitere Folge von Warrior Princess Xena zu sprechen. Doch halt, es handelt sich nicht um irgendeine Folge, sondern die berüchtigte Episode “Prometheus” (“Wiedersehen mit Hercules”). Und da hat einiges nicht gestimmt.

Mary: “Bei der IMDB eine Wertung von 7.9. Da waren viele Leute betrunken, als sie sich eingeloggt haben.”

Xena’s Anatomy: die Ärztin, die selbst für ihre Patienten sorgt …

An vielen Stellen wirkt das Drehbuch, als wäre es bereits fertig gewesen und dem Film-Team fiel ein: “Mensch, diese Woche kommt doch Kevin Sorbo ans Set! Den müssen wir schnell noch reinschreiben!” Dementsprechend fühlt sich die gesamte Folge an vielen Stellen sehr holterdipolter an. Den Charakteren fehlt Luft zum Atmen. Manchen Nebendarstellern in wörtlicher Hinsicht.

Mary: “Ich glaube jede Serie hat mindestens einen Luftröhrenschnitt, egal, welches Genre.”
Sascha: “Wie Weiland der besoffene Dr. Dressler in der Lindenstraße.”

Der Luftröhrenschnitt ist übrigens nur dazu da, dass Xena einen Kopfgeldjäger, der sie töten wollte und sie selbst schwer verletzt hatte, retten kann, damit er kurz darauf stirbt. Denn da Luftröhrenschnitte immer funktionieren weiß Xena sofort: Die Menschen haben die Selbstheilungsgabe verloren, es muss was mit Prometheus sein! Wer jetzt in griechischer Mythologie aufgepasst hat, wird sich fragen “Häh?! War Prometheus nicht der mit dem Feuer?” Ja, aber das wurde eher unmotiviert gegen Ende reingebracht, weil es viel sinnvoller war, ihm irgendwas anzudichten was … Apropos unmotiviert:

Sascha: “Diese Folge ist super unmotiviert geschnitten.”
Mary: “Sein wir mal ehrlich: Da ist nix motiviert, an dieser Folge.”

Das Buffet ist eröffnet!

Das gilt auch viel für das Schauspiel. Beispielsweise der Nebendarsteller. Denn nach dem man Kevin Sorbo und Michael Hurst eingekauft hatte, war kein Geld mehr für gute Laiendarsteller da. Oder eine Sprechrolle für Prometheus. Und auch unsere Hauptdarstellerin hatte irgendwie keinen guten Tag.

Sascha: “Lucy Lawless spielt mit angezogener Handbremse.”

Das liegt vielleicht daran, dass Xena echt viel vor hat. Erst muss sie zu einem Orakel, dann ein Schwert im Stein klauen und dann trifft sie Hercules, der sich für die Menschen opfern möchte, obwohl sie das selbst will. Und weil noch nicht genug Handlung in diese Folge gestopft wurde, denkt sich der Drehbuch-Autor: “Hey, wir haben zwei Männer und zwei Frauen! Doppel-Liebesgeschichte! Geil, wah?” Leider funktioniert das nur in 50 Prozent der Fälle, denn zwischen Hercules und Xena sprühen so gar keine Funken.

Mary: “Selbst, wenn Du möchtest, kannst du da nichts sehen. Und ich wollte auch nicht, wenn ich ehrlich bin.”

“Gut, dass der Drehbuchautor nicht aufgepasst hat, sonst wären meine tollen Rubin-Gauntlets jetzt hin.”

Gut, muss ohne gehen. Gemeinsam macht sich das Quartett auf die Suche nach dem Berg, wo Hera Prometheus angekettet hat. Sie hat nämlich intelligente, selbstkriechende Ketten. Und Prometheus einen tiefen Schlaf. Zwischendurch wird übrigens noch Iolaus angeschrammt und diese leichte Wunde bringt ihn an den Rand des Todes. Ist irgendwie anrührend. Trotzdem haben wir uns mehr als einmal gefragt:

Sascha: “Was war das für ‘ne Szene? Hat Richard Compton Regie geführt?”

In jedem 7. Ei ist ein Krieger mit dabei.

Das kulminiert oben auf dem Gipfel, den Xena erreicht, nachdem sie Hercules niedergeschlagen hat. Wahrscheinlich ist ihr das so einfach gelungen, weil er ihr in einem schwachen Moment von seiner Achillesferse erzählt hat. Bzw. der Stelle am Hinterkopf, wo man nur einmal mit dem Schwertknauf antippen muss, damit der Halbgott in gelb zusammenfällt. Und auf dem Gipfel warten dann auf Xena Eier, aus denen Heras Krieger schlüpfen. Oder in Marys Version Drachenbabys, für die bloß kein Geld mehr da war.

Sascha: “Die ganze Szene wirkt, wie aus einer TOS-Folge gefallen.”

Griechenland. 30 Grad. Ein Adlerdämonosaurus trägt Xena davon. Die Frisur sitzt.

Wo Autor und Regisseur schon mal dabei waren, ein fulminantes Fantasy-B-Trash-Sandalen-Movie-Revival zu feiern, wurde aus dem Adler, der eigentlich Prometheus Leber frisst … Ja, was wurde eigentlich aus dem?

Sascha: “Der Adler sieht aus wie ein Drache der Khaleesi.”
Mary: “Das ist doch ein Pterodactyl, ein Dinosaurier!”
Sascha: “Das soll ein Adler sein!”

Jedenfalls trägt er Xena in einer gelungenen Greenscreen-Szene davon, die Hercules noch das Schwert an einen Stein schmeißt. Der lenkt es so bravourös ab, dass die Ketten des Prometheus gesprengt werden, ohne dass sich der Schwertträger opfern muss. Und weil er schon mal dabei ist, fängt er direkt Xena nach einem Sturz aus zwanzig Kilometern Höhe auf, ohne dass beide als Matschflecken zwischen den Eierschalen enden. Wer braucht schon Naturgesetze?

Wir fassen zusammen, dass man in dieser Folge viel lachen kann. Hauptsächlich aus den falschen Gründen. Generell waren wir trotzdem froh, als die Folge vorbei war. Gut, dass es unsere patentierte HATKE-Wertung gibt, denn jedes klassische Bewertungssystem würde spätestens hier frustriert aufgeben.

Laien sollten keinen Luftröhrenschnitt durchführen. Das sagt nicht nur Sascha, sondern auch die Senioren-Bravo.

Übrigens hat sich Sascha Gedanken gemacht, wie diese Folge besser hätte werden können. Das Ergebnis lest ihr hier.

Unseren privaten König Gregor könnt ihr auch über Dinge von Interesse reden hören.

Während der Aufnahme dieses Podcasts hat sich niemand den Arm gebrochen.

 

 

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2 Comments

  • Stefan Hartmann

    2. Juni 2021 at 11:06 Antworten

    Zum Thema Dichterin im antiken Griechenland würde ich auf Sappho verweisen.
    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Sappho
    „ Sappho gilt als die bedeutendste Lyrikerin der Antike; besonders gerühmt wurde im Altertum ihre klare und ausdrucksstarke Sprache, durch die sie unter anderem zum Vorbild des römischen Dichters Horaz wurde.“

    Was die ägyptischen Pharaonen angeht, da gab es 13 Pharaoninnen in >4000jahren also im Schnitt eine alle 307 Jahre 🙈

    • Mary

      3. Juni 2021 at 10:16 Antworten

      Hallo! Vielen Dank für den tollen Hinweis. Sappho hatten wir tatsächlich nicht auf dem Schirm.
      Und Ägypten hatte dann zumindest eine bessere Frauenquote, als Europa für laaaaange Zeit. 🙂

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